Das Vulkanologische Institut von Catania meldete vor nur 10 Minuten, dass sich der Ausbruch, ausgelöst durch die Spalte in 2.050 Metern Höhe, stabilisiert hat. Was bedeutet das? Gute oder beunruhigende Nachrichten? Die Lage ist unter Kontrolle, also eine gute Nachricht. Die Lava breitet sich jedoch langsam, aber stetig aus, und niemand weiß, wie viele Kilometer sie in diesem Tempo zurücklegen kann. Die ersten betroffenen Ortschaften sind Milo und der Weiler Fornazzo, etwa 5 Kilometer von der Lavafront entfernt (aber durch mehrere natürliche Hindernisse geschützt). Aktuell sind sie – wie bestätigt wurde – nicht in Gefahr.
Aktualisierter Bericht des INGV
Der aktualisierte INGV-Bericht besagt: Die Eruptionsaktivität des Ätna hat sich seit mehreren Tagen stabilisiert. Der Lavastrom aus dem Krater in 2.100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel fließt daher unverändert weiter, jedoch mit geringer Ausflussrate. Tägliche Felduntersuchungen des Lavafelds durch Mitarbeiter der Ätna-Sternwarte (INGV-OE) haben gezeigt, dass die vorderste Lavafront, die gestern eine Höhe von 1.360 Metern über dem Meeresspiegel direkt über dem Relief der Rocca Capra erreichte, nach einer Strecke von etwa 3,4 Kilometern stillsteht und abkühlt. Der darüberliegende Lavastrom, der gestern eine Höhe von 1.600 Metern über dem Meeresspiegel erreichte, ist aktiv und befindet sich derzeit in einer Höhe von etwa 1.400 Metern über dem Meeresspiegel. Gleichzeitig setzt sich die strombolianische Aktivität im Krater Voragine mit schwankender Intensität fort, wobei diskontinuierliche und geringe
Ascheemissionen auftreten, die sich rasch im Gipfelbereich verteilen. Aus seismischer Sicht liegt die durchschnittliche Amplitude des vulkanischen Tremors trotz einiger Schwankungen derzeit im Normbereich. Der Schwerpunkt der Tremorquellen scheint in der Nähe des Voragine-Kraters zu liegen.
Vorbilder: die Lavaströme von 1979
Wie der Fotograf Rosario Catania (Autor des Bildes links) anmerkt, folgt der Lavastrom, der aus der „Neujahrsspalte“ austritt, fast dem gleichen Verlauf wie ein vorheriger Seitenausbruch im Jahr 1979. Damals legte die hochenergetische Lava eine beträchtliche Strecke zurück, überflutete das Dorf Fornazzo und überschwemmte umliegende Wälder und Felder.
Selbstverständlich hat jeder Ausbruch seine eigene Geschichte, und selbst wenn der Verlauf mit dem eines früheren Ereignisses identisch ist, folgt die „neue Lava“ nicht zwangsläufig den Spuren der alten. Im Falle des aktuellen Ausbruchs könnte beispielsweise die große Lavafront von 1979 den Lavastrom blockieren oder verlangsamen. Die Lava könnte dadurch abgelenkt werden, sich aufstauen und abkühlen, während sie versucht, ein Hindernis zu überwinden. Aus diesem Grund rufen die Behörden noch keinen Notstand aus und geben keine konkreten Anweisungen. Die Situation wird im Verlauf des Ausbruchs weiterhin beobachtet.
Alle, lasst uns die Lava bestaunen!
Ein so „ruhiger“ Ausbruch mit einem langsam vorrückenden und gut kanalisierten Lavastrom ermöglicht es natürlich neugierigen Zuschauern, das Spektakel zu bewundern. Polizei und Förster haben strenge Auflagen erlassen und erlauben nur Experten oder Gruppen in Begleitung autorisierter Führer den Zutritt. Touristen und Wanderer werden gebeten, nicht alleine loszuziehen!
Für alle, die dieses magische Abenteuer an der Lavafront nicht selbst erleben können, bietet sich die Bewunderung der spektakulären Videos von Michele Mammino – auch bekannt als „Der Steinbock vom Ätna“ (HIER) – an, wahre Kunstwerke im Dienste unserer Neugier! (FOTOS VON G. MUSUMECI UND R. CATANIA)